Der Künstler

Tatsächlich schaffe ich es heute, mich als Künstler zu empfinden. Ich spiele seit meinem 13 Lebensjahr akustische Gitarre, und dennoch hatte ich lange Zeit nicht das Selbstbewusstsein, den Begriff Künstler für mich gelten zu lassen. Ich war von jeher ein Freigeist, und so näherte ich mich der Musik von Anfang an intuitiv. Ich konnte – und wollte – nie Noten lesen. Noten empfand ich immer als Einschränkung, als eine Fessel, welche Intuition unmöglich macht oder zumindest erschwert.

So saß ich also stundenlang mit meiner Gitarre und daddelte. Ich ließ die Finger laufen und sich ihren eigenen Weg finden. Zuerst hatte ich nicht viele Ausdrucksmöglichkeiten. Doch mit jeder Session wuchsen meine Fähigkeiten.

Nur bewegte ich mich mit meiner Art der Musik weit außerhalb des Mainstreams. Zuerst litt ich schon sehr darunter. Niemand wollte mir zuhören. Denn sobald ich etwas spielte, kam sogleich der Satz:

Spiel doch mal was von den Beatles!

Für mich jedes Mal ein Schock. Spielte ich so schlecht? Ich war kein Beatle und wollte auch nicht die Musik anderer nachspielen. So blieb mir nur der Rückzug. Ich spielte für mich alleine in meinem Zimmer. Ich spielte für mich alleine im Wald. Ich spielte für mich alleine am See. Wichtig war nur: Ich spielte.

Auch wenn ich in jungen Jahren sehr darunter gelitten habe, kam mit fortschreitendem Alter und meinem wachsenden Selbstbewusstsein ein immer größere Gewissheit.

Ich wusste nicht wirklich was ich tat und warum. Doch … es fühlte sich so verdammt richtig an.

Mein erstes größeres Highlight war eine sensationelle Session in unserem Motorradkotten „Schweinestall“ in Hervest Dorsten direkt an der Lippe. Da ich durch meine Montagetätigkeit finanziell sehr gut ausgestattet war, kaufte ich kurzerhand ein Schlagzeug, eine Bassanlage nebst Bass, ein paar Trommeln und natürlich eine Elektrogitarre mit entsprechendem Röhrenverstärker.

Bei jener Session also – wir waren damals sicherlich zwanzig an der Zahl -.behaupteten alle Anwesenden, unmusikalisch zu sein. Ich und zwei andere setzten uns darüber hinweg und fingen einfach an zu jammen. Wir spielten und spielten und spielten. Und – nachdem so einige Kisten Warsteiner vernichtet waren – fing der erste Unmusikalische an, auf den Trommeln mitzuspielen. Ich kann gar nicht mehr sagen, wie viele Stunden diese Session dauerte. Doch irgendwann sah ich nur noch lauter Menschen um mich herum die zu dritt auf einer Trommel spielten, die mit Löffeln auf Bierflaschen rhythmisch mitgingen, die alle nur erdenklichen Gegenstände zu Percussioninstrumenten umfunktionierten und sich mit allen zusammen in einen mystischen Flow begaben. Wenn wir uns angemalt hätten, wären wir als Urwaldstamm durchgegangen.

Diese Nacht hat mich in meinem Glauben an die Intuitive Musik bestärkt. Jeder kann Musik machen. Nicht jeder virtuos. Und dennoch kann jeder auf seine Art und mit seinen Fähigkeiten in den gemeinschaftlichen Flow eintauchen – wenn wir es schaffen, unseren Verstand auszuschalten.

Trotz diesem magischen Erleben in dieser Nacht ist so etwas im Schweinestall nie wieder vorgekommen.

Mein zweites Highlight erlebte ich auf einer Nordafrika-Reise, welche ich mit einem 200-ccm-Vespa-Roller unternahm. Meine Gitarre war natürlich dabei. Ich saß also auf einer Mauer in den „Blauen Quellen von Meski“ und daddelte gedankenverloren vor mich hin. Als ich nach einiger Zeit wieder aufblickte, war ich von Einheimischen umringt.

Ich war eh ob dieses unerwarteten Publikums, und es dauerte eine Zeit, bis ich den Grund herausfand. Mein intuitives Daddeln hatte sehr viel Ähnlichkeit mit der traditionellen marokkanischen Musik.

Es war ein sehr verstörendes Gefühl, mehr als 3.000 Kilometer von Zuhause plötzlich so eine interessierte Zuhörerschaft zu erleben. Irgendwie bin ich ja durch und durch Deutscher. Aber in diesem Moment war Marokko – zumindest musikalisch – meine Heimat.

Mein drittes Highlight erlebte ich während eines Seminars zum Thema „Inneres Kind„. Ich genoss diese Arbeit sehr und ich wurde an diesem Wochenende leichter und leichter. Und plötzlich saß ich in der Pause mit meiner Gitarre im Seminarraum und fing spontan an, meine Gitarre intuitiv nach Gehör zu stimmen. Ich drehte an den Stimmwirbeln und drehte und drehte. Solange, bis ich fasziniert innehielt und überwältigt war von diesem einzigartigen orientalischen Sound. Ich übte nun jeden Tag, mit dieser neuen Stimmung umzugehen. Die Musik, die daraus erwächst, erfüllt mich immer wieder zutiefst auf einer emotionalen Ebene, die ich bis dato nie erreicht hatte. Zu dieser Intensität stellte sich noch ein angenehmer Nebeneffekt ein: Ohne groß darüber nachzudenken, konnte ich Melodien und Rhythmen gleichzeitig erklingen lassen. Hier eine meiner ersten Aufnahmen:

Mein viertes Highlight erlebte ich, als ich ein Portal für kostenlose Musik entdeckte. Da mich im Internet ja keiner kannte und auch keine Musikwünsche à la Beatles oder Bob Dylan zu erwarten waren, riskierte ich es, ein paar Aufnahmen meiner Spontanmusik hochzuladen. Natürlich hielten sich die Streamingzahlen in Grenzen. Doch für mich war jeder Zuhörer ein Erfolg. Ich bekam einige Kommentare aus Frankreich, Amerika, Spanien und Mexiko.

Da ich weder Spanisch noch Französisch verstand und Google-Übersetzer noch nicht erfunden war, ließ ich mir die Kommentare im Tauschring übersetzen. Was soll ich sagen. Ich war stolz wie Oskar, als ich von einer Eva Maria aus Mexiko als KÜNSTLER – und zwar in Großbuchstaben – bezeichnet wurde.

So ungefähr musste es sich anfühlen, wenn man einen Mega-Plattendeal mit einem Majorlabel abgeschlossen hat.

Obwohl diese Rückmeldung so was wie ein Durchbruch war, konnte ich trotzdem lange Zeit in der Öffentlichkeit nicht als Künstler erscheinen.

Langer Rede kurzer Sinn. Mit dieser Webseite und vor allem mit diesem Text fühle ich mich reif genug, wirklich aktiv als Künstler in Erscheinung zu treten.

Mittlerweile hat sich zu meinen musikalischen Schöpfungen die Malerei und neulich auch die Konzeptkunst eingestellt.

Ich wünsche Dir und Euch nun viel Spaß mit meinen künstlerischen Tätigkeiten und freue mich über ein Rückmeldung. Falls Du auf dem Laufenden sein willst:

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Herzlichst Naran Artmann